Harmonie im Kopf
Nach neüsten Erkenntnissen verarbeitet das Gehirn Musik offenbar genauso wie Sprache.
Gotthilf Fischer hat Recht: Jeder Mensch ist musikalisch. Das ist nun auch wissenschaftlich bewiesen.
Hirnforscher Stefan Kölsch vom Max-Planck-Institut für neuropsychologische Forschung in Leipzig stülpte rund 200 Versuchspersonen "High-Tech-Badekappen" über, an die er bis zu 64 Elektroden anschloss, um die Gehirnströme der Probanden zu messen. Dabei spielte er ihnen per Computer klassische Dur- und Mollklaenge von Bach bis Beethoven vor, die er zu Sequenzen von jeweils fünf Akkorden zusammengefasst und mit "falschen" Akkorden einer anderen Tonart versetzt hatte.
Das Ergebnis:
Alle Versuchspersonen, auch die vermeintlich völlig unmusikalischen, registrierten die falschen Töne. Denn nur 180 Millisekunden, nachdem sie diese wahrgenommen hatten, feuerte im Gehirn ein ganz bestimmter Bereich, der bei den richtigen Tönen nicht aktiviert wurde. "Offenbar", sagt Kölsch, "besitzt jeder Mensch ein musikalisches Grundverstaendnis - auch wenn er bewusst einen falschen Akkord gar nicht als falsch identifizieren kann."
Und nicht nur das:
Auf falsche Töne reagiere das Gehirn sehr aehnlich wie auf falsche Saetze - in analogen Bereichen der rechten und linken Hirnhaelfte. Folglich könne das kognitive Sprachnetzwerk nicht nur durch Wörter, sondern ebenso durch Musik angeregt werden - sodass man zum Beispiel das Gehirn sprachgestörter Kinder möglicherweise auch mithilfe bestimmter Melodien trainieren könnte.
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